[Freifunk Franken] Vereine Vereine Vereine

Michael Kreis michael.kreis at gmail.com
Sa Sep 12 15:56:26 CEST 2015


Liebe Freifunkkollegen!

Ich unterstütze vollkommen den gerade von delphiN dargelegten Standpunkt.
Ich habe seiner – wie immer sehr ausgewogenen und überlegten –
Argumentation nichts hinzuzufügen.

Im Übrigen beobachte ich mit Argwohn die jüngsten Entwicklungen und
Aktivitäten im Freifunk sowohl in Franken als auch in in Deutschland. Um
nicht weitere Diskussionen, die am Ende zu nichts führen würden, vom Zaun
zu brechen, will ich es bei diesen zugegebenermaßen sibyllinischen
Anmerkungen belassen.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Kreis ("Radiator")

Am 12. September 2015 um 15:11 schrieb delphiN <lists at wunschik.net>:

> -----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
> Hash: SHA1
>
> Mal was Allgemeines zu Vereinen und Freifunk:
>
> Freifunk wächst quasi überall und es hat sich fast schon eingebürgert,
> das auch schnell Vereine gegründet werden. Viel kleine Städte mit
> gerade mal 10 Knoten haben schon einen Freifunk-Verein. Manchmal wird
> sogar zuerst ein Verein gegründet, bevor überhaupt einen Community
> entstanden ist. Einige alte Freifunker sehe diese Entwicklung eher
> kritisch. Ich habe hierzu auch eine Mail von Jürgen Neumann, einem der
> Freifunk-Gründer kopiert (siehe unten).
>
> Freifunk-Franken gibt es schon viele Jahre und bisher ging es immer
> ganz gut ohne Verein. Es gibt aber auch gute Gründe die für die
> Gründung einen Vereins sprechen:
>
> - - Mietverträge für Dachinstallationen.
> - - Sammeln und Verwalten von Spenden.
> - - Organisation von Veranstaltungen.
> - - Ansprechpartner für Interessierte, Presse und Politik.
> - - Betrieb von gemeinsamen Servern, Gateways und Webseiten.
> - - Peering mit Providern und IP-Vergabe.
> - - Längeres Engagement und Mitarbeit wird evtl. motiviert und begünstigt.
>
> Leider sprechen aber auch einige starke Punkte gegen die Organisation
> in einem Verein:
>
> - - Freifunk ist (und bleibt) ein Community-Projekt, bei dem jeder
> einfach mitmachen können soll. Es können verschiedenste technische
> Wege ausprobiert und verschiedenen Ansichten innerhalb der Community
> vertreten werden. Durch die Gründung einen Vereins entsteht schnell
> eine Art Meinungshoheit: Es wird davon ausgegangen, dass der Verein
> die Meinung von "Freifunk in Franken" vertritt wobei das aber gar
> nicht der Fall ist. Gruppen die nicht Teil der Vereinsstruktur sind
> oder sein wollen (z.B. Ansbach, Rothenburg usw.) fallen hier unter den
> Tisch. Die Freifunk-Community als Ganzes engt sich damit selbst stark ein.
>
> - - Ein Verein ist einen zentrale Struktur und damit immer viel
> angreifbarer als eine lose Gemeinschaft. Besitzt ein Verein die
> Kontrolle über wichtige zentrale Komponenten (Key-Exchange, Gateways,
> Mailinglisten, Wiki usw.) ist die Gefahr groß, das so ein Verein zum
> Angriffsziel von Überwachung und z.B. staatlicher Kontrolle wird.
>
> - - Durch einen Verein entsteht die Gefahr von Macht-Bündelung. Es
> entsteht eine kleine Gruppe die wichtige Entscheidungen unabhängig von
> der Community treffen kann. Es kann auch zu einer
> Zwei-Klassen-Community aus stimmberechtigten Vereinsmitgliedern und
> Nicht-Vereinsmitgliedern kommen. Dadurch können Streitigkeiten,
> Spaltungen oder Desinteresse entstehen.
>
> Ich möchte mich daher (wahrscheinlich sehr unerwartet) nun eher gegen
> die Gründung eines "Freifunk-Franken Community-Vereins" aussprechen.
> Wo ein Verein nötig ist sollten wir einen Gründen - Da wo aber die
> oben genannten Gefahren überwiegen sollten wir es lassen!
>
> - - Für die Organisation von gemeinsamen Info-Material brauchen wir
> keine Verein. Da reicht eine Mailingliste und ggf. ein paar Live-Treffen.
> - - Auch das Sammeln von Spenden klappt über Betterplace bisher recht
> gut. Hier haben auch bereits andere gemeinnützige Vereine angeboten
> diese Aufgabe für uns zu übernehmen.
> - - Für Mietverträge und größere Installationen hat sich der Freie Netze
> e.V. bisher bewährt und steht und weiterhin zu Verfügung.
> - - (Presse-)Anfragen können wir mithilfe einer speziellen eMail Adresse
> oder eines Ticket-Systems gut und flexibel an die momentan aktiven
> Regionen und Mitglieder verteilen - Auch das funktioniert eigentlich
> ganz gut, ist aber auch noch etwas verbesserungsfähig.
>
> Beim Thema Peering mit Providern sieht es aber anders aus. Hier
> brauchen wir rein zweckmäßig einen oder evtl. sogar mehrere Vereine.
> Wir sollten deshalb so einen Verein auch durchaus Gründen und
> aufpassen, dass er nur die wirklich notwendigen, begrenzten Aufgaben
> übernimmt und die Community nicht zu stark einschränkt und kontrolliert.
>
> Soweit meine (momentane) Meinung zur Diskussion,
> delphiN
>
> - --
> freifunk at wunschik.net
> delphiN at jabber.ccc.de
> Mitglied: Freie Netze e.V., CCC, Piratenpartei
>
>
>
>
> Am 13.08.2015 16:02, schrieb Juergen Neumann:
> > Hallo Liste,
> >
> > mir fehlt leider ein wenig die Zeit um das jetzt lang und breit
> > darzulegen. Vieles davon ist auch in den vergangenen Jahren schon
> > über die Mailinglisten gegangen. Ich versuch's noch mal im
> > Schnelldurchgang:
> >
> > Vor allem ist der Verein nicht die Community: Freifunk, das sind
> > die, die bei sich einen Router aufstellen und im Mesh-Netz
> > mitmachen. Jede_r kann das machen, egal ob in einem Verein oder
> > nicht. Das sollte nie an irgendwelche weiteren Bedingungen geknüpft
> > sein. Nennt sich jetzt aber ein Verein XY Freifunk e.V., dann
> > entsteht in der Öffentlichkeit automatisch der Eindruck, dass die
> > Entität des Vereins Freifunk sei, und nicht etwa die Leute, die
> > Freifunk machen. Das ist mit Abstand das wichtigste Argument!
> >
> > Es bedeutet nämlich auch, wer für das, was im Freifunk geschieht,
> > als Verantwortlicher gesehen wird. Wenn Leute im Freifunk
> > irgendeinen Mist machen, dann sollten sie das stets selbst zu
> > verantworten haben. Nur so kann ein experimentier- und
> > lernfreudiges Netzwerken entstehen. Sieht sich hingegen der Verein
> > in der Verantwortung für den Betrieb, so wird er auch versuchen
> > müssen sicherzustellen, dass das Netz nach seinen Regeln
> > funktioniert. Das ist dann aber nicht mehr dezentral und
> > lernfreudig experimentell, sondern zunehmend zentral und
> > reglementiert.
> >
> > Die Personen, die den Verein betreiben erhalten dann auch im Bezug
> > auf den Betrieb der Infrastruktur insgesamt eine besondere
> > Verantwortung und Rolle. Damit einher geht automatisch auch eine
> > Machtkonzentration, die ein fortwährendes Ungleichgewicht zwischen
> > Freifunkenden im Verein und solchen, die nicht im Verein sind,
> > zementiert.
> >
> > Es ist deshalb angeraten, sich als Verein klar zu überlegen,
> > welche Aufgaben notgedrungen überhaupt eine juristische Entität
> > benötigt. Das sind natürlich Dinge wie:
> >
> > - Spenden Einwerben und Verwalten - Verträge mit Gebäudeeigentümern
> > schließen - Veranstaltungen verantworten - Webseiten mit dem
> > entsprechenden Impressum betreiben - etc ...
> >
> > Nur sehr wenig davon hat unmittelbar mit der eigentlichen Idee des
> > Freifunkens zu tun.
> >
> > Auch aus Gesichtspunkten der möglicher Weise angestrebten
> > Gemeinnützigkeit ist der Betrieb eine Freifunk-Netzes und die
> > Installation von Routern als Vereinszweck nicht unbedingt
> > anzuraten. Zu schnell besteht die Gefahr der gewerblichen
> > Tätigkeit.
> >
> > Wohl aber die Bildung und Weiterbildung zu dem Thema, und die
> > Unterstützung derer, die sich im Kontext freier Netzwerke (mit oder
> > ohne Kabel!) für deren Verbreitung engagieren, eine sinnvolle
> > Vereinsaufgabe. Da gibt es schließlich noch sehr viel
> > Weiterbildungsbedarf! :)))
> >
> > Ich hoffe es hilft! Sonst frag einfach noch mal.
> >
> > LG
> >
> > JuergeN
> -----BEGIN PGP SIGNATURE-----
> Version: GnuPG v1.4.14 (GNU/Linux)
>
> iQIcBAEBAgAGBQJV9CSGAAoJEGuH2dOBPapCFbsQAIMISvgns6lTx/GIiFC4+k0R
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> E4Qu06noNt/vCpeOfuaXavLNdgu+Gg2nkrJCpxLUK207RQdglrLXO/6uMJ0gvfD5
> OCUTFmMlYRh1HJWwZiZ3d0VXif3cPwjDo9kmTpIFaP8s1gABtQlZ0Iww6h+EQ1z+
> 6EbbkxPu54WkzRHtw54IucG0h0nN0wHuzrM9Jt70dtv9FeObuY1XiqUeTgQC66Sq
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